 |
|
Insel Usedom
|
|
|
| |
Insel Usedom - Historisches
Usedom.com informiert Sie unabhängig über das aktuelle Geschehen auf der Insel.
|
|
|
Das Seebad Ahlbeck
Der Ahlbach, der wegen seines Alreichtums bekannte kleine Waldbach, erhielt von deutschen Siedlern den Namen Ahlbeck (niederdt.: Beck = Bach). Für die Siedlerfamilien war die Fischerei lebensnotwendig - geangelt wurden außer den Aalen im Bach auch Heringe aus der Ostsee. Um 1800 war nun aus Ahlbeck ein klassisches Fischerdorf entstanden. Am Strand befanden sich so genannte Wrakanstalten und Salzhütten. Wraker waren Gutachter, die die in Salz eingelegten Heringe auf ihre Qualität prüften, bevor diese für den Verkauf freigegeben wurden.
Die Ländereien, auf dem das heutige Ahlbeck zu finden ist, gehörten zum Gutsbezirk Gothen. Der Ahlbach diente viele Jahre als natürliche Grenze und trennte das herzoglich-pommersche, dann schwedische und später königlich-preußische Gebiet der Insel von diesem Gut. Auf beiden Seiten des Flusses kam es zu Ansiedlungen. Jedes Ahlbeck hatte seinen eigenen Ortsschulzen.
Während in Heringsdorf und Swinemünde (Seebad ab 1824) urlaubshungrige und badewillige Großstädter das Meer und die Seeorte genießen konnten, blieb das zweigeteilte Ahlbeck zunächst ein ruhiges, kleines Fischerdorf.
In den 1850iger Jahren entdeckten Sommerfrischler das verschlafene Nest.
Das Reiseverhalten änderte sich in dieser Zeit. Wer es sich leisten konnte, schickte die Familie samt dazugehörendem Gesinde im Sommer ans Meer. Und man blieb einige Wochen. Hinzu kam auch, dass für viele Stettiner und Berliner die Hotels und Pensionen zu teuer wurden und nach preiswerten Alternativen gesucht wurde.
Die Ahlbecker stellten ihre gute Stube zur Verfügung, bezogen selbst Stallungen oder Notquartiere. Die Sonnenhungrigen errichteten am Strand Badezelte aus Schilfrohr. Viele Segelfreunde aus Swinemünde und Heringsdorf entdeckten auf ihrer Route den leeren Ahlbecker Strand, ankerten und sprangen in die Fluten.
In den 1860iger Jahren wurden 314 Gäste gezählt. Und die Besucherzahlen stiegen von Jahr zu Jahr. 1875 entstand mit "Wendickes Hotel" - dem Ersten - nicht nur eine feine Adresse mit viel Noblesse und Charme, sondern auch ein schönes Kur- und Tanzhaus. Mit diesem Bau kam der Stein ins Rollen. Es entstand eine Eigendynamik wie andernorts auch. Vereinfacht wurden diese Unternehmungen durch den Zusammenschluss beider Gemeinden (1882) und der Fertigstellung der Eisenbahnlinie Swinemünde - Ahlbeck - Heringsdorf (1894). In 5 ½ Stunden waren die Berliner in Ahlbeck. Um den Heringsdorfern mit ihrer "Kaiser- Wilhelm-Brücke" (1891) in nichts nachzustehen, erhielt Ahlbeck 1898 ebenfalls eine Landungsbrücke. Sie ist als einzige aus dieser Zeit bis heute erhalten.
Eine umfangreiche Hotellerie und Gastronomie entstand, die Strandpromenade wurde befestigt und verschönert - der Ort erhielt Seebad-Charakter.
Der Ausbruch des ersten Weltkrieges bedeutete eine Zäsur. Erst Ende der 20iger Jahren lebte Ahlbeck wieder auf.
Nach dem Einzug der "Roten Armee" und dem Ende des 2. Weltkrieges kam es zu einer Neuorientierung.
Swinemünde fiel mit dem Potsdamer Abkommen an Polen. Das Verwaltungszentrum der Insel entstand zunächst in Ahlbeck und wurde 1952 von Wolgast abgelöst. Die neugegründeten Verwaltungen und die vielen Flüchtlinge zogen in die Hotels und Pensionen des Ortes. An ein Kur- und Badeleben war vorerst nicht zu denken. Nach der Gründung der DDR, den wirtschaftlichen Startschwierigkeiten und den Enteignungswellen wurden die Hotels vom FDGB-Feriendienst (Freier Deutscher Gewerkschaftsbund) genutzt. Dieser organisierte nun die Ferientage der DDR-Bevölkerung. Für ein geringes Entgelt konnten die Gewerkschaftsmitglieder mit ihren Familien in Ahlbeck oder andernorts Urlaub machen. Neubebauungen wurden realisiert. Kulturhäuser wie das "Haus der Erholung", dem Veranstaltungshaus des Ortes, boten ein vielseitiges Angebot, während andererseits die meisten der historischen Villen dem Verfall preisgegeben waren.
Ein Bummel durch das heutige Ahlbeck ist ein Erlebnis. Die neu gestaltete Strandpromenade, die herrliche Seebrücke, die rekonstruierten Jugendstilvillen in all ihrer Pracht, die großen Hotels und schönen Geschäfte sorgen für ein einzigartiges Flair. Die Ruhe und Schönheit des alten Ahlbecks ist zurückgekehrt und bietet dem Gast mit viel Ambiente und Charme eine erholsame Zeit. Maren Malcherek (gekürzt aus: USEDOM-WOLLIN exclusiv, Frühjahr 2004)
zurück
|
|
|
|
ANZEIGEN
|