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Insel Usedom - Historisches
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Zur Deutung von Ortsnamen auf der Insel Usedom
Ortsnamen sind heute für Sprachforscher und Archäologen mitunter regelrechte Fundgruben, in denen sich Silben entdecken lassen, die wesentliche Einblicke und Einsichten in die Herkunft von Namen menschlicher Siedlungen der Frühzeit vermitteln können.
Ortsnamen leiten sich oft von Stammesnamen ihrer Gründungsväter oder Stifter ab. Wieder andere Orte verdanken ihre Namen der Nähe zu Klöstern, Burgen, Gewässern, Felsen sowie auffallenden Landschaftsformen.
Oft sind Ortsnamen mit menschlich-kollektiven Schutz- und Scharungsfunktionen verbunden.
Ehe die Ursprünge einzelner Ortsnamen auf der Insel Usedom unter die Lupe genommen werden, sei allgemein angemerkt, dass dem Besucher Vorpommerns die Vielzahl von Ortsnamen auffallen wird, die mit der Silbe "-ow" enden, wobei übrigens das "w" stets unausgesprochen bleibt. Allein auf Usedom trifft man auf folgende Ortschaften: Mahlzow, Mölschow, Netzelkow, Lütow, Koserow, Damerow, Mönchow, Reestow, Dewichow, Reetzow, Grüssow, Suckow, Zirchow, Kutzow, Neverow, Katschow und Prätenow. Die Nachsilbe "-ow" ist slawischen Ursprungs und bezeichnet oft die Genitivform von (Orts-)Gründer-, Stifter- oder Eigentümernamen (z.B. Netzelkow: das Dorf des Netzel). Eine andere Deutung besagt, dass die Nachsilbe "-ow" Bezug nimmt auf eine im Zeitpunkt der Siedlungsgründung angetroffene Mehr- oder Vielzahl von Menschen oder Pflanzen- bzw. Tierarten (so ist z.B. Mönchow ein Ort, der von Mönchen gegründet wurde und Damerow, herrührend vom polnischen "damb" (Eiche) fiel durch Eichenwälder auf.
Häufig begegnet man auch Ortsnamen mit der Nachsilbe "-hagen". Auf Usedom findet sich allerdings nur ein einziges, noch nicht einmal typisches Beispiel hierfür: der Badeort Karlshagen. Dafür wimmelt es auf dem nahen Festland von Hagen-Dörfern: Buddenhagen, Buggenhagen, Boltenhagen, Spandowerhagen, Giesekenhagen, Lodmannshagen, Kemnitzerhagen, Hanshagen, Diedrichshagen, Hinrichshagen u.a.m. Die Nachsilbe "-hagen" deutet typischerweise auf im 13. bis 14. Jahrhundert gerodete und urbar gemachte Wald- und Moorgebiete hin. Solche meist im Nordosten Deutschlands gelegenen Siedlungsgebiete standen verwaltungsrechtlich dem Reich oder dem Deutschen Orden, später auch Fürsten und Herzögen zu.
Verfolgen wir die Perlenkette Usedomer Badeorte von Norden nach Süden:
Karlshagen: Es handelt sich, wie schon angedeutet, nicht um eine typische "Hagen-Rodung", sondern um ein erst um 1800 gegründetes Fischerdorf, das durch die Königliche Regierung in Stettin den Namen Karlshagen erhalten hat, und zwar offenbar in Erinnerung an den 1830 verstorbenen Gründer, den Regierungsrat Karl von Triest.
Trassenheide: Der Flecken hieß Anfang des 19. Jahrhunderts Hammelstall und wurde 1913 zum Andenken an den im dortigen Sumpf ertrunkenen Förster Trassen in Trassenheide umbenannt.
Zinnowitz, ursprünglich Tzys, wurde später in Zitz eingedeutscht und unter Friedrich II. 1751 in Zinnowitz umbenannt. Ob nun Tzys=Zitz vom wendischen "zitno" (Korn) oder "ziti" (Schilfrohr) oder vom polnischen "sinnik" (Wiesen) abzuleiten ist, bleibt umstritten.
Zempin dürfte herkunftsmäßig nicht hinreichend geklärt sein.
Koserow hat mit der Sentenz: "Kose sanft, nie kose roh, wenn du kost in Koserow" herkunftsmäßig nichts zu tun! Der Name lässt sich sowohl auf das wendische "kože" (Ziege), als auch auf das Wort "kos" (Amsel) zurückführen, wobei die Endung "-ow" auf eine Vielzahl hier angetroffener Ziegen (evtl. gar Ziegenhaltungen) bzw. auf eine Vielzahl von Amseln hindeutet, die man hier nistend antraf.
Kölpinsee geht auf das sorbisch-wendische "kolb" (Schwan bzw.Schwanenteich) zurück.
Die Auslegungen für Loddin reichen von slawischen Wortstämmen, die für Kahn bzw. Schiff stehen, also wohl auf einen kleinen Hafen hindeuten, bis zum slawischen "loddino" (Lachsbucht).
Ueckeritz wird einerseits mit dem in Pommern verbreiteten Familiennamen Uecker (evtl. als Gründerfamilie) in Verbindung gebracht; eine andere Meinung führt den Namen auf wendische Ursprünge zurück, wonach es sich um eine Grenzregion (des Klosters Pudagla) gehandelt hat.
Bansin: Herkunft und Bedeutung dürften nicht hinreichend erklärbar sein.
Der Name Heringsdorf erklärt sich von selbst. Im Jahre 1820 hatte der damalige Kronprinz Wilhelm IV. anlässlich eines Usedom-Aufenthalts angeregt, den im 19. Jahrhundert gegründeten Ort Heringsdorf zu nennen; 59 Jahre später erklärte König Wilhelm I. Heringsdorf zum Seebad.
Ahlbeck leitet seinen Namen vom Aalbach ab, der den Gothensee mit dem Meer bei Ahlbeck verband.
Die Herkunft des Insel- und Stadtnamens Usedom dürfte vom slawischen Uznam herrühren, was so viel wie Mündung (nämlich das Mündungsdelta der Oder, also Peene, Swine und Dievenow) bedeutet.
Adrian Bueckling (aus USEDOM-WOLLIN exclusiv)
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