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Insel Usedom - Geschichten
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Eine Usedomer Küstenradtour von Nord nach Süd - und zurück
Von Karlshagen aus verläuft der Radweg, aus Peenemünde kommend, in unterschiedlichem Abstand parallel zur Außenküste - bis zur polnischen Grenze.
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Die Sonne schickt ihre ersten Strahlen auf die Birkenallee, die mitten durch den Kiefernwald verläuft, bis der Weg an der Trassenheider Promenade wieder die Düne erreicht. Bis Zinnowitz - die Sonne steigt allmählich höher - lassen mehrere Strandzugänge einen schnellen Blick auf das fast spiegelglatte Wasser zu. |
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Die Häuser der noch menschenleeren Zinnowitzer Promenade erstrahlen im roten Licht der Morgensonne.
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Mit dem Ende von Zinnowitz in Richtung Zempin beginnt übergangslos wieder der Küstenwald. Über die gut ausgeschilderte Zempiner Promenade geht es auf den gepflasterten Deich nach Koserow. Hier, an der engsten Stelle der Insel, sind es von der Ostsee zum Achterwasser nur etwa 300 Meter, die Platz bieten müssen für eine extra breite Düne, einen Waldstreifen, den Deich, die Bundesstraße 111, die Trasse der Usedomer Bäderbahn (UBB) und den kleinen Deich zum Achterwasser.
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Ab Koserow wird der Küstenradweg bis Bansin zum durchgehenden Waldweg. Ich fahre durch Buchenwald am knapp 60 Meter hohen Streckelsberg vorbei, der zu einer Rast mit Aufstieg zum Aussichtspunkt einlädt. Die Strecke nach Kölpinsee mit ihren Auf- und Abfahrten gibt einen Vorgeschmack auf Kommendes. In Kölpinsee kann der Radler zwischen einem humanen Treppenabstieg mit Fahrrad-"Rinne" oder einem Fahr-Umweg von 300 Metern wählen. Gleich im Anschluss gibt der Spiegel des Kölpinsees die morgendliche Ruhe wieder.
Der Campingplatz Stubbenfelde bildet den Auftakt für eine ungewöhnliche Strecke: 16 Prozent Gefälle erwartet hier im Norden kaum jemand - und die Gebirgler unter den Urlaubern fühlen sich wie zu Hause.
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Die Berg- und Talfahrt auf gut befestigtem Schotterweg durch dichten Mischwald dauert bis Ückeritz. Nun geht es mehrere Kilometer auf Asphalt und ohne Steigung weiter. Zur Rechten die Zelte, Ferienhäuser und Wohnwagen des Campingplatzes, links ein schmaler Waldstreifen direkt bis zum Strand, eine Düne fehlt hier.
Voller Spannung warte ich auf das Massiv des Langenbergs - und werde nicht enttäuscht. Der sehr gute Schotterweg hält sich in der Nähe der Küste, die aber nur zu erahnen ist. Ich fühle mich wie im Mittelgebirge, mit Hängen, Steigungen, Rastplatz. Ein Schild am Wegesrand weist zum Mümmelkensee, einem ehemaligen, jetzt verlandeten kleinen See. Der ebenfalls etwa 60 Meter hohe Langenberg ist meist mit Buchen bewachsen, eine Fahrt durch diese Landschaft erinnert an Vieles, nur nicht an eine Ostseeinsel mit naher Küste.
Das letzte Stück über den Langenberg führt wieder über eine auch durch Kraftfahrzeuge genutzte Asphaltstraße.
In Bansin schließlich beginnt die etwa acht Kilometer lange durchgehende Promenade über Heringsdorf nach Ahlbeck. Die Promenade hat die Vielfalt früherer Gestaltung bewahrt und passt sich den unterschiedlichen Gegebenheiten an. Alleine der Kontrast von mondäner Bäderarchitektur mit dazwischen liegenden naturnahen Abschnitten ist ein Erlebnis für sich.
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Radfahrer und Fußgänger teilen sich wieder den letzten Abschnitt von Ahlbeck zur polnischen Grenze. Hier ist Platz genug für einen schon recht detailliert vorliegenden Plan: eine durchgehende Promenade bis ins polnische Swinemünde. Den Grenzübergang erreiche ich nach knapp 40 Kilometern.
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Der Rückweg führt mich nun entlang der B 111.
Von der Grenze führt ein straßenbegleitender Fuß- und Radweg bis Ahlbeck. Den Ort selbst wie auch Heringsdorf kann ich mit dem Rad unerwartet problemlos passieren, denn die meisten Fußwege an der Bundesstraße sind für Radfahrer zugelassen. Am Ortsausgang von Heringsdorf in Richtung Bansin beginnt dann der durchgehende Radweg entlang der B 111 bis nach Koserow.
Die Naturnähe des Hinwegs tausche ich gegen die glatte Asphaltfahrbahn des Rückwegs, die sich die Radfahrer mit Fußgängern und immer mehr Inline-Skatern teilen. Der Radweg verläuft nun fast unmittelbar neben der Straße, zum Teil auch dicht an den Gleisen der UBB.
Die Umgebung von Ückeritz bietet dann nochmals einige "Unebenheiten", wie Nicht-Flachländer das hügelige Profil bezeichnen würden. Zwischen Ückeritz und Stubbenfelde reicht der Blick links über die Wiesen zum Achterwasser.
In Koserow treffe ich dann auf dem Deich wieder meine alte Route des Hinwegs. In Trassenheide weiche ich davon ab und wähle die kurze Strecke entlang der Düne bis Karlshagen. Sie ist mit Recht nicht als regionaler Radweg ausgewiesen, denn einige naturbelassene Abschnitte können als Teststrecke für Geländegängigkeit dienen - oder sind mit Schieben zu bewältigen.
Der Küstenradweg als Teil des Ostseeradfernwegs auf Usedom ist zum ganz überwiegenden Teil sehr gut befestigt, zu großen Teilen asphaltiert. Die Beschilderung lässt keine Missverständnisse zu. Radlerfreundliche gastronomische Angebote säumen den Weg.
Doch am wichtigsten war das Erlebnis der vielfältigen Inselnatur. Küstenwald mit Dünen, hügeliger Mischwald abseits - wenn auch nicht weit entfernt - vom Badetrubel, Wiesen und Binnenseen, Deich und Berg. Meine Tour rund um die Küste bot fast alles, was die Natur auf Usedom aufzuweisen hat. Dazu kam die Atmosphäre der Badeorte wie in Zinnowitz und den "Kaiserbädern".
Für einigermaßen geübte Freizeitradler ist zumindest eine Tour entlang der Küste in gemütlichem Tempo zu bewältigen. Die Rückfahrt kann dann auch mit der UBB erfolgen, deren Trasse immer in akzeptabler Nähe bleibt.
Als Fazit bleibt: Wer Usedom nur mit dem Kraftfahrzeug erlebt, kann die Vielfalt der Insel nicht richtig kennen lernen. Der Radler sitzt nicht im Auto-"Kino", sondern fährt seinen "Film" selbst und tut dabei nicht nur seinen Augen etwas Gutes.
Rainer Höll
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