Insel Usedom

 
Insel Usedom - Ausflugstipps

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Usedom - der Inselnorden

Der Kenner der Insel unterscheidet allmählich kleinere Reviere: die "Kaiserbäder" im Osten, das Achterland im Süden, die Bernsteinbäder und eben der sogenannte Inselnorden.
Ich lade Sie ein, mich auf einer Tour von der Nordspitze nach Süden zu begleiten.
Das einzigartige Windwatt am Peenemünder Haken betrachtet man am besten aus der Luft, denn es ist ein gesperrtes Vogelschutzgebiet. Gelegenheit zu Rundflügen bietet der Flugplatz Peenemünde in unmittelbarer Nachbarschaft.
Der Flachwasserbereich zieht sich bis zwischen die Seebäder Karlshagen und Trassenheide. Er ist Zeichen für Landwerdung: Der Strand bei Karlshagen wird jährlich breiter und bietet gerade für Familien mit Kindern mit seinem großen "Nichtschwimmerbereich" ideale Bedingungen.
Die Nordspitze war seit Mitte der dreißiger Jahre Standort der Heeresversuchsanstalt Peenemünde, die Anlagen reichten bis Trassenheide. Für den aufmerksamen Wanderer sind im Dünenwald zahlreiche Spuren dieser Vergangenheit sichtbar, viele von ihnen wurden mit Informationstafeln versehen. Die gesamte nördliche "Ecke" der Insel ist auch heute noch gesperrt - zur Sicherheit der Gäste und nicht zuletzt zum Schutz der Wasservögel.
Ein umfassendes Bild über diese Zeit macht sich der Besucher im Museum Peenemünde, eines der am meisten besuchten Museen Deutschlands. Dieser nördlichste Ort der Insel ist gleichzeitig - wie auch das südlich anschließende Karlshagen mit dem größten Hafen im deutschen Teil Usedoms - Ausgangspunkt für Schiffsfahrten, zum Beispiel zur Greifswalder Oie oder bei rauer See über den Peenestrom bis hinter die Wolgaster Klappbrücke. Peenemünde bietet außerdem die "Phänomenta" - ein Museum zum "Begreifen" physikalischer Zusammenhänge, U-Boot-, Spielzeug- und Bettenmuseum. Das Naturschutzzentrum an der Karlshagener Promenade gibt Antworten auch auf die Frage, wie die kleinen Laufvögel am Strand denn heißen und bietet im Herbst Pilzberatung an.
Etwa nach einer Stunde erreicht der Strandwanderer aus Karlshagen das Seebad Trassenheide, mit einer originellen und besonders kinderfreundlichen Promenadengestaltung. In Trassenheide hat sich 2005 eine besondere "Natur" niedergelassen: Europas größte Schmetterlingsfarm.
Wer einen Blick in die Geschichte der norddeutschen Landwirtschaft werfen möchte, lenkt seine "Reifen" ein Stück gen Westen, nach Mölschow. Der dortige Kulturhof mit landwirtschaftlichem Erlebnisbereich bietet zu allen Jahreszeiten Sehenswertes.
Wir nähern uns nun über Bannemin und die B 111 der "Kulturhauptstadt" Usedoms. Die "Blechbüchse", das gelbe Theater im Seebad Zinnowitz, ist eine Spielstätte des Theaters Anklam. Die benachbarte Theaterakademie ist Ausbildungsstätte für den Nachwuchs, der sich beim sommerlichen "Vineta"-Spektakel auf der Freilichtbühne mehrmals wöchentlich auch dem Publikum präsentiert. Ein Museumscafé im Hotel Preussenhof und das Usedomer Kunsthaus in der Villa Meyer bereichern das umfangreiche Kulturangebot in Zinnowitz, zu dem sich alljährlich noch ein Holzbildhauer-Pleinair und verschiedene Musikfestivals gesellen.
"Sommer das ganze Jahr" bietet die Zinnowitzer Bernsteintherme. Hier wird für jeden Bedarf das Passende geboten, und die Benutzer der Strandsauna sorgen besonders im Winter beim Zwischen-Bad in der Ostsee für bewundernde Blicke der Spaziergänger.
An der Spitze der Zinnowitzer Seebrücke ein weiterer Publikumsmagneten zu sehen: eine Taucherglocke, die das Live-Erlebnis des Meeresgrundes illustriert.
Von Zinnowitz gelangt man über Neuendorf auf die Halbinsel Gnitz, am sogenannten "Achterwasser" gelegen, einer Ausbuchtung der Peene auf ihrem Weg nach Peenemünde. Die dortigen kleinen Orte bieten so manche Kostbarkeit fürs Auge.
Das nächste Seebad an der Küste ist Zempin. Hier beginnen bereits die sogenannten "Bernsteinbäder" der Inselmitte, zu denen sich auch Koserow, Loddin-Kölpinsee und Ückeritz zählen. Bis dorthin etwa reicht die nördliche Häfte der Insel.
Zwischen Zempin und Koserow befindet sich die engste Stelle Usedoms. Nur 300 Meter liegen zwischen extra dünenverstärkter Außenküste und dem Achterwasser, diesen Streifen teilen sich die Radfahrer auf dem Außendeich, Fußgänger auf dem Binnendeich, Autos auf der B 111 und die Usedomer Bäderbahn. Und genau hier liegt das ehemalige Domizil eines der vielen Usedomer Maler. Otto Niemeyer-Holstein nutzte diesen - "Lüttenort" genannten - kleinen Ort seit den dreißiger Jahren bis zu seinem Tod knapp fünf Jahrzehnte lang. Das Gedenkatelier ist über das Hotel Forsthaus Damerow zugänglich.
Der bislang einzige für Räder befahrbare Deich der Insel führt weiter bis zu den Koserower Salzhütten, in denen früher die gefangenen Fische durch Einlegen in Salz haltbar gemacht wurden. Das einzigartige Flair wird durch den auch heute noch spürbaren Geruch ergänzt.
Wer mit dem Fahrrad den Inselradweg durch den Wald vorbei am Streckelsberg weiter bis Ückeritz benutzt, wird sich stellenweise wie im Mittelgebirge vorkommen, für viele Inselgäste ein besonderes Überraschungsmoment.
Im Inselnorden findet der Gast zahlreiche Fischrestaurants: in Neeberg, Ziemitz, Karlshagen, Zempin, Koserow und Loddin.
Das pralle Leben eines Kurortes bietet Zinnowitz, mit großzügiger Promenade, vielen kleine Boutiquen, Kneipen und Cafés.
Inselnorden, das ist eine Mischung aus Naturnähe, einzigartiger Historie und Kulturerlebnissen, er bietet Alternativen bei jedem Wetter, ob für sportliche Aktivität, urlaubsfreundliche Bildung oder einfach zum Abschalten ganz in Familie.
Rainer Höll

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